Sali szämme,
die Pastinaken sind alle aufgegessen! Möhren, Schwarzwurzeln und Rote Bete gehen zur Neige und das Lagergemüselager ist so leer wie noch nie. Folglich wurde die Anbauplanung um weitere 500 Meter Wurzelgemüse erweitert. Einladungen zum gemeinsamen Jäten und Ernten kommen dann bestimmt noch früh genug auf euch zu.
Käserei-Update: Pasteurisierung und ein neuer Käsekeller
Wir werden eine behördliche Anordnung bekommen, dass bis auf Weiteres alle Käsereiprodukte aus pasteurisierter Milch hergestellt werden müssen. Das machen wir natürlich auch, und zwar so lange, bis die Herde spätestens frei von Staphylococcus aureus ist oder die Zellzahlen auf einem Niveau sind, bei dem die zugelassenen Grenzwerte für Käse aus Rohmilch (100.000 kbE/g) nicht überschritten werden.
Der Einfluss auf den Geschmack ist meiner Meinung nach nicht sehr groß. Was aber eine enorme Bedeutung hat, ist die Lagerung! Und da haben wir (bzw. Karla) etwas gefunden, was einen ganz anderen Käse ergeben kann: Unser Nachbarbetrieb Rüsch aus Buggingen hat einen nahezu perfekten Weinkeller/Käsekeller. Etwas Arbeit müssen wir da zwar noch reinstecken, und wir werden das auch erst machen, wenn es wieder silofreie Milch gibt, aber ihr werdet es schmecken. Bei gleichbleibender Machart des Käses wird es einen deutlich anderen Geschmack geben. Ich bin gespannt, wie der Keller „schmecken“ wird.
Jeremias‘ Statement zur aktuellen Solawi Agrarpolitik und den Bauernprotesten
Ach, und da ist ja noch die Ankündigung von Magdalena, dass ich auch noch meinen Senf zu den Bauernprotesten abgebe.
Klimaschädliche Subventionen, wie z.B. der Agrardiesel, gehören – wie schon mal geschrieben – längst abgeschafft. Subventionen der Landwirtschaft rein nach Fläche sind meiner Meinung nach eine Sauerei. Subventionen sollten die Betriebe bekommen, die die Biodiversität fördern, bodenaufbauende Fruchtfolgen einhalten, Gewässer schützen, eine gute CO2-Bilanz aufweisen und das Tierwohl in den Fokus rücken.
Sinngemäße Slogans wie „Subventionen sorgen dafür, dass die Lebensmittel bezahlbar bleiben“ stimmen doch einfach nicht. Sie sorgen vielmehr dafür, dass große landwirtschaftliche Unternehmen einen noch größeren Wettbewerbsvorteil gegenüber kleinen Familienbetrieben haben. Mal aus Luzernenhof-Sicht: Bei uns machen die Subventionen 4,5 % aus. Das bedeutet: Statt 200 € monatlichem Mitgliedsbeitrag wären es gerundet 210 € Mitgliedsbeitrag. Oder anders gesagt: Nach 4 Jahren gesparter Subventionen könnten wir uns gerade mal einen großen landwirtschaftlichen Anhänger kaufen.
Warum ich (vorerst) für mehr Bürokratie bin
Entgegen anderer Meinungen hier am Hof bin ich für mehr Bürokratie – zumindest so lange, bis die Umweltzerstörung durch die konventionelle Landwirtschaft aufhört.
Und ja, ich bin auch für den Welthandel mit Lebensmitteln. Denn im Amazonas angebautes Soja an Fleischtiere in deutschen Ställen zu verfüttern, um das Fleisch dann als „regionales Produkt“ zu verkaufen, ergibt für mich absolut keinen Sinn. Ackerflächen in Deutschland zu nutzen, um Futter anzubauen, statt Lebensmittel für den Menschen zu produzieren, ist für mich das Gleiche wie Regenwald für Soja zu roden.
Grob gesagt ist ein Viertel der landwirtschaftlichen Fläche in Deutschland (ca. 18 Mio. Hektar) Grünland, wovon sich die Tiere ernähren sollten. Ein Viertel ist Ackerfläche für die Lebensmittelproduktion, ein Viertel für die Energieproduktion und ein Viertel für die Futterproduktion. Wenn man die importierten Futtermittel noch dazuzählt, müssten wir für eine umweltgerechte Fleischproduktion unseren Fleischkonsum in Deutschland vierteln. Die Partei will ich sehen, die das durchsetzt – die wäre definitiv eine Eintagsfliege. Also warum Fleisch nicht dort produzieren, wo es ökologisch Sinn macht (z. B. Südafrika, Südamerika, Nordamerika)?
Unternehmertum und Land im Eigentum der Konsumenten
Noch ein letzter Punkt, wo ich anderer Meinung bin: Wer einen landwirtschaftlichen Betrieb hat, ist Unternehmerin oder Unternehmer und kann somit nicht Jahrzehnte das Gleiche machen. Die „Das hat der Opa schon so gemacht“-Mentalität mag im kleinen Maßstab funktionieren, aber das funktioniert meiner Meinung nach nicht, wenn Supermarktregale voll sein sollen. (Ein kleiner Einschub: Bei deutlich weniger Fleischkonsum würde meiner Ansicht nach auch 100 % Bio-Landwirtschaft funktionieren).
Eine Verstaatlichung von Grund und Boden sehe ich zudem sehr skeptisch. In Äthiopien, wo alles Land dem Staat gehört, sollte ein Betrieb plötzlich das 1000-fache an Pacht bezahlen, um die Flächen weiter bewirtschaften zu dürfen. Wer kann die Garantie geben, dass so etwas hier nicht auch passieren würde?
Da sind mir echte Solidar-Lösungen wie das Land im Eigentum der Konsumenten (Kulturland eG) viel lieber. Das gibt mir als landwirtschaftlichem Unternehmer langfristige Sicherheit! 🙂
Lieben Gruß vom Luzernenhof,
Euer Jeremias
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