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Muhs und News

Heu-Krimi, das Geheimnis unseres Staudenselleries und Kälbchen Arno

20 Juni 24 | Hofalltag, Fleisch, Tiere, Wissen

Frauen, die auf Tomaten starren – klingt wie ein neuer Bestseller, oder? Die Gärtnerinnen beglubschen jedenfalls die erste und bislang einzige Tomate, die sich langsam rot überhaucht. Weitere werden folgen!

Der Heu-Krimi und ein ausgebüxtes Kälbchen

In der Bauernfraktion hat sich die Anspannung ein bisschen gelegt. Der „Risikoschnitt“ Heu von letzter Woche ist trocken und nach Hause gebracht. Es war ein langer und harter Tag für Johannes, Mika und Will, alles fertig zu bekommen, bis die ersten Tropfen fielen. Ein Risiko war es deshalb, weil das trockene Zeitfenster relativ klein war, ein weiteres Verschieben aber nicht mehr möglich – das Futter wurde schon zu alt.

Es wurde aber noch nicht alles geheut, ihr könnt also trockenes Wetter noch als Punkt in euer Abendgebet mit aufnehmen. Hoffentlich muss der Bauer dann nicht mehr abends in Unterhose mit einem Bier in der Hand vor dem Fernseher stehen und die Wetterfrau beschimpfen.

Auch die Kälber sind auf die Weide gezogen und wohnen im Sommerkälberstall. Der kleine Arno hat festgestellt, dass er aufgrund seiner geringen Körpergröße stehend unter dem Zaun hindurchlaufen kann und sich dann direkt auf der Seite der Ladys befindet. So haben wir ihn heute Morgen gefunden: wie er fröhlich jedes vorbeikommende Euter anblökt und beschmust. Wie im echten Leben war er ob der Auswahl und des himmlischen Angebots dann aber so überfordert, dass er sehr dankbar für die Rückführung in seinen eigenen Bereich war. Er war fix und fertig und ist sofort eingeschlafen.

Updates zur Verteilung für euren Ernteanteil

  • Kartoffeln: Die eine Hälfte hat rote Kartoffeln bekommen, die andere Hälfte gelbe. Bitte keinen Schreck bekommen, beide Sorten sind festkochend und die Farbe schmeckt man nicht mit.
  • Zwiebeln: Die Bundzwiebeln habe ich diese Woche doch wieder „entgrünt“, das Lauch ist einfach nicht mehr hübsch genug. Dafür habt ihr alle etwas mehr bekommen als die popeligen drei Stückchen pro Bund. Ab nächster Woche werden die Zwiebeln in der Bestellliste wieder mit „kg“-Angabe versehen sein. Bitte bedenkt aber, dass die jungen Zwiebeln noch keine Lagerzwiebeln sind – also kleiner, zarter, für den Frischverzehr gedacht und nicht zum Bunkern.
  • Rote Bete: Nächste Woche gibt es statt Bund Rote Bete wieder Stück Rote Bete. Bitte nicht automatisch eine „1“ eintragen, weil man 1 Bund erwartet – dann bekommst du nämlich 1 Kilo!
  • Salat: Die kleine Salatdepression wurde überwunden, nächste Woche kann wieder ordentlich bestellt werden.

Wissen zum Solawi Gemüseanbau: Warum sieht unser Staudensellerie so aus?

Ja, unser Staudensellerie sieht anders aus als im Supermarkt. Wieso eigentlich?

Staudensellerie ist ein sogenannter Starkzehrer. Er braucht also richtig viel Futter (Stickstoff) und Wasser. Die Stickstoffversorgung unserer Böden organisieren wir im ökologischen Solawi Gemüseanbau über die Kleegrasfruchtfolge und Mistkompost. Damit erreichen wir einen gesunden Bodenaufbau, ohne „überfette“ Böden zu bekommen, und stellen sicher, dass wertvolles Humusmaterial aufgebaut wird – und nicht unser Anbau das Bodenmaterial verzehrt.

Das kann man tatsächlich mit bloßem Auge sehen: Auf unseren Flächen sinken die Bewässerungsschächte langsam ein, bzw. der Erdboden wächst. Bei den konventionellen Nachbarstücken liegen die Schächte immer weiter über dem Bodenniveau, weil der Erdboden dort schmilzt (ähnlich wie bei einem sinkenden Wasserspiegel). Eine künstliche Überversorgung an Stickstoff „zwingt“ die Pflanzen zu extremer Aufnahme und schnellem Massewachstum, die Grundlage wird förmlich aufgesaugt. Weil Stickstoff sehr flüchtig ist, verschwindet alles, was nicht sofort gefuttert wird, ins Grundwasser und in die Luft.

Zusätzlich wird konventioneller Staudensellerie oft gebleicht, damit er die helle, zarte Farbe und den milden Geschmack bekommt (also unter Folie angebaut). Eine andere Möglichkeit ist, ihn sehr eng zu pflanzen, sodass die Pflanzen sich gegenseitig das Licht nehmen. Das führt zu einem hohen Pilzdruck, weswegen Sellerie in der Regel eine stark gespritzte Kultur ist.

Auch Pflanzen haben so etwas wie einen ökologischen Fußabdruck. Im Falle von konventionellem Sellerie ist das eher die wuchtige Plateausohle und weniger der schmale Zehentrenner. Der sparsame, umweltschonende Anbau auf unserem Hof macht aus dem Sellerie dann genau das, was es bei uns gibt: dunkelgrün, klein, aber extrem geschmacksintensiv! Er wird so fleißig bestellt, dass ich den Eindruck habe, ihr habt euch schon gut mit ihm angefreundet. Das freut mich sehr. Außerdem machen wir dieses Jahr wieder verschiedene Versuche zum wassersparenden Anbau: Der Sellerie wird deshalb oberhalb des Wurzelpunkts geschnitten, dann kann er ein zweites Mal wachsen.

Der Bergtee und sein eigener Wille

Manches fängt jetzt unvermittelt an zu blühen, zum Beispiel der griechische Bergtee. Da werden ja eigentlich die Knospen geerntet. Jedes Mal, wenn ich eine Knospe schneide, mache ich das extra so, dass sich darunter zwei neue Knospen bilden. Wenn ich sehe, dass irgendwo etwas aufgehen will – zack, schneid ich’s ab. Das geht eine ganze Weile gut und dann reicht’s dem Kraut. Vermehrung ist Priorität Nummer 1 und dann ist’s fertig mit dem vegetativen Wachstum. Frei nach dem Motto: „Ich bin nicht hier, um dir zu gefallen, ich bin hier, um zu blühn.“

Fleisch-Verteilung: Abschied von Zirbel

Heute Morgen hat Johannes unsere Kuh Zirbel zum Metzger gefahren. Sie ist die Tochter von Zindi, die lange unsere Leitkuh war, bis wir sie leider bei einer Schwergeburt verloren haben. Zindi hat in acht Jahren nur ein einziges Mädchen geboren, und auch ihre einzige Tochter Zirbel hat uns lange nur Bullenkälber gebracht. Sie sollte uns aus gesundheitlichen Gründen eigentlich schon letztes Jahr verlassen. Ich habe sie sehr gebeten, mir noch ein Kuhkalb zu schenken – und sie hat es getan! Die kleine Zimbel steht nun im Kälberstall und ist die letzte Vertreterin der „Z-Linie“.

Diese Woche wird die Fleischliste aufgemacht. Bitte denkt daran, dass Zirbel eine alte Dame war. Es ist also kein „Das werf ich kurz auf den Grill“-Fleisch zu erwarten, sondern eher etwas für Schmorgerichte, die Zeit brauchen.

Bestimmt habe ich noch irgendwas vergessen. Macht’s gut, meine Lieben!

Eure Magdi & das Team vom Luzernenhof

Du möchtest mehr über nachhaltigen Solawi Gemüseanbau erfahren und Teil unserer Gemeinschaft werden? Hier findest du alle Infos zu deinem eigenen Ernteanteil!