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Wo ist das Kotelett? Frühlingsgemüse und das 1×1 der Bestellliste

18 Apr. 26 | Hofalltag, Fleisch, Gemüse, Verteilung, Wissen

Liebe Luzernis,

ich bin ja noch was schuldig von letzter Woche! Noch dazu sind ein paar Fragen aufgelaufen und die ein oder andere „organisatorische Auffrischung“ ist vielleicht mal wieder an der Zeit.

Als Erstes der Infoblock – bitte lesen:

Von Winter-Kloppern und zarten Frühlingsblättchen

Ihr habt gemerkt, das Frischgemüse ist wieder da, es wächst und gedeiht. Ihr erinnert euch sicher an das schöne Herbstgemüse: dicke Klopper, große Vielfalt, mächtiger Lauch, riesiger Kohl, fetter Salat. Was jetzt wächst, kommt aus dem Folientunnel und aus der Winterzeit – es war kalt und dunkel. Der Lauch war so groß, weil er den ganzen Spätsommer, den ganzen Herbst, den ganzen Winter plus den jetzigen Frühling Zeit hatte, dick zu werden. Genauso der Blumenkohl.

Salat, Kräuter und bald auch der erste Fenchel wurschteln sich jetzt mit aller Macht ein paar knackige Blättchen hin und geben sich Mühe, innerhalb von 8 Wochen Masse für euren Solawi Ernteanteil zu bereiten. Das ist gewichtsmäßig natürlich ein anderer Schnack! Und jaaaa, der Salat aus dem Tunnel ist jetzt gewichtig geworden – übernächste Woche kommt dann aber nicht mehr der betütelte Tunnelsalat, sondern der gnadenlos abgekämpfte Freilandsalat. Da wird es wahrscheinlich wieder etwas kleinere Köpfe geben.

Nächste Woche steht zudem Tunnelräumen an! Das heißt: Alles Wintergemüse, das jetzt endlich kräftig wächst, muss raus und den Fruchtgemüsen weichen (Tomate, Aubergine, Gurke und andere Köstlichkeiten). Dann ist natürlich draußen erst mal Schicht im Schacht (noch nicht viel los) und drinnen herrscht eine noch unbeerntbare Kinderstube. Aber keine Angst: Mangold wird bei 2 Grad im Lager frisch gehalten – bitte bestellt da die nächsten zwei Wochen kräftig. Petersilie könnt ihr zum Einfrieren bestellen, und Radieschen, Rhabarber, Blumenkohl, Koriander sowie Salat stehen draußen schon bereit!

So viel zu Gemüsegrößen (Sommer/Winter, drinnen/draußen). Es folgt Info Numero zwei:

Wo ist eigentlich das Kotelett geblieben?

Da fehlt doch was vom Schwein! Das ist eine sehr gute Frage. Eine Möglichkeit könnte sein, dass wir die leckersten Stücke alle selber aufessen… aber nein! (Oder doch? Ich verrat’s nicht!)

Das Kotelett gibt es natürlich, und ihr habt es auch bestellt. Bloß nicht unter seinem Namen Kotelett, sondern unter seinem Mädchennamen Steak, seinem bürgerlichen Namen Rücken, oder auch Karree – oder nach dem Studium: Frau Dipl.-Ing. Schnitzel.

Ihr seht schon: Das Kotelett ist kein fester „Ort“ am Schwein, sondern eine Schnitttechnik (nämlich ein Rückensteak mit Knochen, also Rippe). Am Schwein hängen also so viele Koteletts, wie es Rippen gibt. Da geht’s dem Schwein ein bisschen besser als dir und mir: Das „Schweini“ hat 14 Rippenpaare (= 28 Koteletts), im Gegensatz zum Menschen, der mit 12 Rippenpaaren nur 24 Koteletts abgeben würde. Aus dem Rücken (dem mageren Teil) und der Oberkeule werden aber auch die Schnitzel geschnitten. Und das vordere Karreestück könnte ebenfalls Steaks oder Schnitzel geben (oder Nackenbraten oder…). Es gibt also entweder 28 Koteletts (übliche Dicke 3-5 cm) oder 84 Schnitzel pro Schwein aus dem Rücken.

Und Braten soll es natürlich auch noch geben. Und noch was zum Wursten. Und Speck. Und Schinken. So ein armes Schwein ist eben begrenzt.

An dieser Stelle erinnere ich gerne nochmal an meinen letzten Fleischbrief, in dem ich die Filetverteilung ausgerechnet habe: Ein Schwein hat ca. 1,6 Kilo Filet in seinem Körper. Bei 6 geschlachteten Schweinen im Jahr und einer theoretisch völlig gleichmäßigen Verteilung auf alle unsere Mitglieds-Haushalte bekommt jeder Haushalt ein Kilo Filet alle 20 Jahre. Das wäre dann also der Filetverbrauch, der bei ökologischer und sozialverträglicher Landwirtschaft in den eigenen Fußabdruck reinpassen würde… Ziemlich schade, finde ich, weil Filetspitzen in Rahmsoße ungefähr das Köstlichste ist, was es auf der Welt gibt.

Und weiter geht die wilde Fahrt: Das 1×1 der Bestellliste

Damit beim Packen eures Ernteanteils alles glattläuft, hier noch ein paar wichtige Bitten zum richtigen Bestellen:

  • Achtet auf die Einheiten: Bitte lest euch die Einheiten durch, die unter dem Gemüsenamen angegeben sind! Wenn da „Stück“ steht, kannst du nicht „0,7“ eintragen. Kannst du natürlich schon, aber wie sieht ein 0,7 Rotkohl aus? Zweidrittel so groß wie der Durchschnitt? Oder waren eigentlich 7 Stück gemeint?
  • Die Tücken der „100 Gramm“: Wenn „100 Gramm“ die Einheit ist, bedeutet „3“, dass du 300 Gramm möchtest (3 x 100 Gramm). Wenn du „0,3“ einträgst, bedeutet das, du möchtest 30 Gramm (0,3 x 100 Gramm). Also eine Espressotasse voll Salat? Das kommt mir relativ unwahrscheinlich vor. Aber wer weiß?
  • Sperrung für andere durch Tippfehler: Nach bestem Wissen und Gewissen korrigiere ich jede Woche die Bestellliste und mache „22 Salat“ zu 2 und „0,6 Lauch“ zu 1 Stück. In letzter Zeit nimmt es aber ein bisschen überhand. Letzte Woche waren „300 x 100g“ Schnittsalat bestellt (also 30 Kilo! Garantiert wollte die arme Frau nur 300 Gramm!). Dadurch war die Bestellmenge im System für alle anderen gesperrt. Deshalb hatten einige auf gut Glück „Verschenke Schnittsalat“ bekommen und die HofabholerInnen konnten sich aus der freien Entnahme bedienen.
  • Besondere Mengen anfragen: In die andere Richtung geht’s auch. Die versehentlich bestellten 9 Kilo Kartoffeln wurden von mir rigoros zu 0,9 Kilo korrigiert – fälschlicherweise, wie sich herausstellte! Diese Person hätte sie sehr gerne für den Kita-Kochtag gehabt. Also merke: Wenn du außergewöhnliche Mengen brauchst (20 Köpfe Blumenkohl für den Nachbarschaftsgrilltag oder Zwiebeln für einen riesigen Zwiebelkuchen zur Junggesellinnenparty), frage das bitte vorher kurz per Mail an. Du hast eine haushaltsübliche Gemüseversorgung gebucht – everything on top ist uns eine besondere Freude, aber abhängig von der Verfügbarkeit und davon, dass ich auch kapiere, was du willst!
  • Der Geheimcode „0,5“: Im Übrigen – wenn du bei „Stück“ 0,5 einträgst, ist das für mich der Geheimcode für: „Ich möchte bitte einen kleinen, sozusagen einen halben Kopf Sellerie, Lauch (whatever) haben.“ Das verstehe ich!

So, bitte, jetzt sind meine Griffel wund. Nächstes Mal kommen die Schnecken, ich versprech’s!

Herzlich grüßt
Der Heinzelmann (äh, -frau)

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