Die Arbeit in den Folientunneln schreitet voran: Zwei Tunnel sind bereits fertig geräumt und neu bepflanzt. Aktuell wachsen dort Gurken, Auberginen und beachtliche 660 Tomatenpflanzen. Parallel dazu liefert die Rhabarberpflanzung aus den vergangenen zwei Jahren nun erste Erträge. In Kürze folgt zudem der erste Salat aus dem Freiland, der naturgemäß etwas kompakter ausfällt als der Salat aus dem geschützten Tunnelanbau.
Mit dem frischen Grün rückt jedoch auch eine bekannte Herausforderung für den Pflanzenanbau in den Fokus: der Umgang mit Weichtieren.
Schnecken im Gemüsegarten: Faszination und Herausforderung
Der Austrieb des ersten zarten Grüns, das im kühlen Frühjahr mit viel Aufwand gepflegt wird, zieht unweigerlich Schnecken an. Ein massives Auftreten von Schnecken kann zu drastischen Ausfällen im Gemüsebau führen. Innerhalb weniger Nächte können hunderte junge Salatpflanzen, Fenchel, Auberginenfrüchte oder Radieschen vollständig abgefressen werden. Bevor man jedoch zu Regulationsmaßnahmen greift, lohnt sich ein differenzierter Blick auf diese Weichtiere, da sie eine komplexe Rolle im Ökosystem spielen.
Unterscheidung: Nicht jede Schnecke ist ein Schädling
Es existiert eine Vielzahl an Schneckenarten, darunter Schnirkelschnecken, Acker- und Wegschnecken, Schnegel und Schließmundschnecken. Sie alle gehören zu den Lungenschnecken. Biologisch interessant ist ihre Eigenschaft als Zwitter, was ihnen eine hohe Flexibilität bei der Fortpflanzung verleiht. Schnecken gehören zu den wenigen Weichtieren, die den Landraum erfolgreich besiedelt haben.
Für die Gartenpraxis ist eine Unterscheidung essenziell: Die wenigsten Schneckenarten richten wirtschaftlichen Schaden an. Grundsätzlich gilt, dass Gehäuseschnecken in der Regel keine Gefahr für das Frischgemüse darstellen. Die Weinbergschnecke fungiert sogar als Nützling, da sie die Gelege von Nacktschnecken vertilgt. Gehäuseschnecken ernähren sich vorwiegend von abgestorbenem, faulendem Pflanzenmaterial und sind somit ein wichtiger Teil der natürlichen Zersetzungsprozesse.
Die Rolle der Nacktschnecken
Selbst bei den Nacktschnecken gibt es relevante Unterschiede. Die meisten Ackerschnecken (Kleinschnegel) fressen frisches Pflanzenmaterial. Viele Wegschnecken bevorzugen hingegen welkes Material. Eine Ausnahme bildet die Spanische Wegschnecke, eine bei uns heimische Art, die bevorzugt frische Kulturpflanzen frisst und erheblichen Schaden verursacht.
In natürlichen Systemen ernähren sich Schnecken primär von geschwächten Pflanzen. Moderne Gemüsesorten wurden jedoch züchterisch auf feine Blätter und milde Geschmacksnoten optimiert. Natürliche Abwehrmechanismen wie faserige Blatthäute, Stacheln oder bittere Milchsäfte fehlen ihnen weitgehend, was sie zu einer leichten Beute macht.
Trotz der Fraßschäden sind Schnecken im Ökosystem wichtig. Sie bauen organisches Material ab, dämmen die Ausbreitung bestimmter Pflanzenkrankheiten ein und dienen als Nahrungsgrundlage für zahlreiche Nützlinge. Zu den natürlichen Fressfeinden gehören Igel, Laufkäfer, Moderkäfer, Glühwürmchenlarven, Tausendfüßlerlarven und der Tigerschnegel.
Methoden zur Regulation von Schnecken
Eine vielfältige, insektenfreundliche Umgebung fördert Nützlinge und reduziert den Schneckendruck. Da ein Gemüsebeet jedoch kein unberührter Naturraum ist, sondern eine vom Menschen geschaffene Kulturfläche mit hoher Pflanzendichte, sind oft gezielte Regulationsmaßnahmen erforderlich.
- Manuelle Entfernung: Die gezielte Entnahme ist eine gängige Methode. Dabei muss sorgfältig zwischen nützlichen und schädlichen Arten unterschieden werden. Ein Indikator kann die Position des Atemlochs auf dem Mantelschild sein. Der Tigerschnegel ist streng zu schonen, da er die Eier der Spanischen Wegschnecke frisst. Ein Durchtrennen der Schädlinge im vorderen Drittel sorgt für ein schnelles Verenden. Verbleibende Reste sollten entfernt werden, da sie weitere Schnecken anziehen. Das Aussetzen gesammelter Schnecken in anderen Ökosystemen ist zu vermeiden, da dies das dortige biologische Gleichgewicht stört.
- Bierfallen: Eingegrabene Gefäße mit stark riechendem, alkoholhaltigem Bier locken Schnecken an. Die Wirksamkeit ist gegeben, erfordert jedoch eine regelmäßige und hygienische Entleerung.
- Kupferband: Kupfer oxidiert und bildet eine für Schnecken unangenehme Barriere. Dies eignet sich zum Schutz einzelner, isolierter Pflanzen oder Hochbeete, ist für großflächige Kulturen jedoch unwirtschaftlich.
- Schneckenkorn (Eisen-III-Phosphat): Dieses Mittel ist für den ökologischen Landbau zugelassen. Der Wirkstoff Eisen-III-Phosphat führt dazu, dass die Schnecken die Nahrungsaufnahme einstellen und sich in den Boden zurückziehen, wo sie verenden. Es muss breitwürfig und bedarfsgerecht auf der Kulturfläche ausgebracht werden. Gemäß Pflanzenschutzrichtlinie darf die Ausbringung ausschließlich auf der landwirtschaftlichen Kulturfläche erfolgen, niemals in angrenzenden Naturräumen wie Feuchtwiesen. Präparate mit Metaldehyd oder Methiocarb kommen aufgrund ihrer Toxizität für Nicht-Zielorganismen (wie Igel oder Vögel) nicht in Frage.
Unser Ansatz auf dem Hof
Die Basis unserer Kulturführung bildet die Prävention. Dazu gehören:
- Anlage von Beetstreifen
- Stärkung der Pflanzengesundheit
- Aktive Förderung von Nützlingen
- Mechanische Bodenbearbeitung zur Zerstörung von Schneckengelegen
- Mischkulturen und manuelle Unkrautregulation
- Angepasstes Bewässerungsmanagement
Wenn diese präventiven Maßnahmen bei extremem Befallsdruck nicht ausreichen, um die Gemüseversorgung der Gemeinschaft zu sichern, setzen wir bedarfsgerecht und streng nach den Vorgaben des ökologischen Landbaus Eisen-III-Phosphat ein.

